Berufskraftfahrer auf Jobsuche, ein Tatsachenbericht, welcher Fragen aufwirft.

Berufskraftfahrer auf Jobsuche, ein Tatsachenbericht, welcher Fragen aufwirft.

Ein Berufskraftfahrer geht auf Jobsuche und wird von den Arbeitgebern zum Narren gehalten. Heute bekamen wir diesen Leserbericht….Ich bin nun seit rund 5 Jahren als Berufskraftfahrer auf den Straßen Europas unterwegs, bis vor kurzem hatte ich einen recht guten Job bei einem für mich Idealen Arbeitgeber. Ich hatte tolle Touren mit langen Strecken auf einen Sattelzug mit Tautliner. Dann hatte ich nach 3 Jahren Betriebszugehörigkeit, einen kleinen Arbeitsunfall welcher letztendlich in 2 Wochen Arbeitsunfähigkeit endete. Nach der ersten Woche bekomm ich aus der Firma einen Anruf in dem es nur darum ging, wann ich wieder fahren kann. Ich teilte mit das dies noch ca. eine Woche dauern wird. Daraufhin wurde mir gesagt wenn das nicht schneller geht, müsse ich mit einer Kündigung rechnen.

Ich war doch sehr erstaunt, das nach rund 3 Jahren ohne jeglichen Vorfall oder eine Abwesenheit wegen Krankheit, so eine Drohung kam. Was soll man da machen? Arbeiten ging wirklich nicht die rechte Hand war außer Betrieb und mit einem dicken Verband eingehüllt. Damit kannst du doch fahren bekam ich gesagt usw. als ich dies verneinte kam dann nach kurzer Zeit die Kündigung ins Haus geflattert.
Naja so ein Vorgehen ist für mich auch keine Basis für ein gesundes Arbeitsverhältnis dachte ich mir, es gibt ja reichlich freie Stellen oder auch Firmen die motivierte Fahrer suchen. Also machte ich mich auf die Suche nach einer neuen Stelle, leider musste ich feststellen dass dies doch nicht so einfach werden sollte. Ich habe mich auf den entsprechenden Jobbörsen im WWW umgeschaut und die für mich passenden Jobangebote notiert. Also begann ich damit die potenziellen Arbeitgeber anzurufen um im zunächst die für mich wichtigsten Fragen zu klären, wie zum Beispiel:

  • was genau ist die Aufgabe, bzw. was wird gefahren?
  • welche Fahrzeugaufbauten werden bewegt?
  • ist das Gehalt für mich ausreichend?
  • gibt es die Möglichkeit bei weiter entfernten Firmen den Lkw am Wochenende mit nach Hause zu nehmen

Ich hatte so ca. 30-50 Telefonate bei denen welche für mich in Frage kamen, habe ich dann die Bewerbungsunterlagen via Email gesendet und wie zuvor vereinbart auf eine Antwort oder Rückmeldung gewartet. Es sei noch gesagt das ich kein astronomisches Gehalt erwarte etc. ich habe schon eine gewisse Summe genannt die ich Brutto haben muss, aber diese so angesetzt das es bei einer Verhandlung am Ende für mich passen würde.


Bei vielen Gesprächen wurden mit Bruttolöhne genannt die weit unter 2000.- Euro lagen oder nach Aufrechnung der zu leistenden Arbeitsstunden weit unter der Mindestlohngrenze lagen. Aber es waren auch Jobs dabei wo das Gehalt mehr als über dem Durschnitt lag.
In der Summe aller Angebote waren wirklich schauerliche Ansagen der Stellenanbieter dabei…..hier mal ein paar dieser Ansagen:

  • Bei  uns wird 5-mal in der Woche 9 Stunden Ruhezeit gemacht, eventuelle Strafen oder Bußgelder übernehmen wir!
    • Wie bitte meinen Sie das wirklich ernst? Das Gespräch habe ich sofort beendet!
  • Die Lenk & Ruhezeiten legen wir großzügig aus. Soll heißen wenn Sie wegen Stau etc. nicht mehr genug Lenkzeit haben um zum Kunden zu kommen, ziehen Sie bitte die Karte und fahren weiter.
    • Auch hier war das Gespräch für mich sofort vorbei!

Das sind nur 2 Beispiele, von vielen…nach langen suchen habe ich dann Endlich einen Arbeitgeber gefunden bei dem alles zu stimmen schien, und wir wurden uns einig. an einem Samstag sollte ich dann zur Vertragsunterzeichnung kommen um am Sonntagabend dann meine erste Tour in Richtung Skandinavien zu fahren. Voller Freude endlich etwas gefunden zu haben fuhr ich hin, wir begrüßten und freundlich und ich sollte ein wenig warten, bekam einen Kaffee und setzte mich in ein Büro. Nach mehr als einer Stunde warten, kam der Chef dann zu mir und sagte:“ Tut mir leid aber das wird nichts mit uns, ich habe gerade einen polnischen Fahrer eingestellt, das ist für mich finanziell interessanter.
Ich dachte ich höre nicht richtig und fragte ob er einen Witz macht, denn ich hatte ihm auch erzählt dass ich eine andere Stelle abgesagt hätte, weil ich in seiner Firma arbeiten möchte. Nein es meinte das wirklich und bat mich zu gehen.

Liebe Spediteure, Transportunternehmer etc. überall jammert ihr über den Fahrer bzw. Fachkräftemangel, kann ich ja noch verstehen aber wenn ihr ein solches Verhalten an den Tag legt und die Fahrer schon vor Beginn zu verschiedensten Verstößen nötigt, oder nur einen Lohn zahlen wollt (angeblich könnt) von welchen man nicht einmal seinen Lebensunterhalt bestreiten kann, oder uns behandelt wie den letzten Abschaum uns belügt etc. (siehe Oben) dann müsst ihr auch über diesen Fachkräftemangel auch nicht wundern. Eines sei noch gesagt ich suchte bzw. suche noch immer lediglich einen Job als Fahrer in inter/nationalen Fernverkehr, ich habe genügend unfallfreie Erfahrung mit verschiedenen Fahrzeugaufbauten, alle Papiere und Qualifikationen sind auf dem neusten Stand usw.
Ihr seid ja nicht einmal in der Lage, einem Bewerber mit einer einzeiligen Email mitzuteilen das einen anderen Fahrer eingestellt habt, hier kann man schon gut sehen das Höflichkeit und Anstand in dieser Branche nicht unter den Fahrern sondern auch bei den Unternehmen schlicht mehr vorhanden ist.

Nachtrag:
Die Firma die diesem Fahrer-Kollegen einen Job anbieten möchte darf sich gerne an uns wenden, wir leiten ihr Angebot gerne für Sie weiter und geben ihnen auch gerne weitere Informationen zur gesuchten Stelle.

 

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