Container Diebstahl

Container Diebstahl

Planenschlitzen ist keine Jugendsünde

Man möchte sich bei der Meldung des Mitteldeutschen Rundfunks vom 11. April 2016 die Augen reiben. Eine Bande aus fünf jungen Männern im Alter von 19 bis 27 Jahren wurden wegen dem gewaltsamen Aufbrechen mehrerer LKW verurteilt. Das Strafmaß: Sieben bis zwölf Monate – auf Bewährung. Bei dermaßen niedrigen Strafen ist es nicht verwunderlich, dass der Container Diebstahl in Deutschland enorm zunimmt. Schnelles Geld mit geringem Risiko – das sind für LKW-Knacker geradezu paradiesische Zustände.

Stagnierende Zahlen, wachsende Probleme

Die Zahl der Warendiebstähle auf dem Transportweg ist zwar einigermaßen konstant – die Schadenssumme ist jedoch enorm. Eine von der Polizei in Auftrag gegebene Studie kam im Jahr 2007 auf eine Summe von 8,5 Milliarden Euro, die europaweit durch LKW- und Warendiebstähle verursacht wurden. Davon fallen alleine 1,53 Milliarden Euro auf Deutschland. Erfasst wurde dabei aber nur der direkte Schaden, welche durch den Verlust oder Beschädigung von Waren und LKW entstanden sind. Gravierender sind jedoch auch die Folgeschäden: Produktionsausfälle, Lieferverzögerungen, Konventionalstrafen bis hin zu Insolvenzen von Unternehmen können durch eine gestohlene Ladung ausgelöst werden. Dies ist eine der Schattenseiten der Just-In-Time Lieferung, von der das moderne Supply Chain Management abhängig ist.

Was wird gestohlen?

Die Diebe sind beim Raub von Waren nicht wählerisch. Geklaut wird einfach alles, was sich transportieren lässt – und gilt bei der LW-Logistik letztendlich für alles. Es ist bei Weitem nicht so, dass nur teure Computer, Maschinen oder andere hochwertige Ladung im Visier der Kriminellen sind. Gerade die Low-Price-Artikel wie Nahrungsmittel oder Hygieneprodukte stehen im besonderen Fokus der Diebe. Der Grund dafür ist einfach: Diese Produkte lassen sich nicht zurückverfolgen. Darum ist grundsätzlich nichts vor den Langfingern sicher – von Haselnüssen bis Babywindeln, die Begehrlichkeiten der Diebe sind grenzenlos. Jedoch beschränken sich die Raubzüge nicht nur auf die Waren auf den LKW. Auch die Fahrzeuge selbst stehen im Fokus. Zuallererst ist natürlich der Kraftstoff eine beliebte Beute. Jedoch wird auch der Transporter insgesamt als kostenloses Warenlager betrachtet. So wurden unlängst von 33 Lieferwagen der Post über Nacht die Katalysatoren entwendet. Die Diebe drangen dazu auf das Firmengelände ein und verschwanden ebenso schnell wieder. An Beispielen wie diesen sieht man deutlich, mit welchem logistischen Aufwand die Kriminellen heute unterwegs sind.

Tricks der Diebe

Der Container Diebstahl findet bei Weitem nicht nur bei Nacht und Nebel statt – im Gegenteil. Mittlerweile haben die Diebe eine ganze Palette an kreativen Ideen entwickelt, die Fahrer um ihre Ware zu erleichtern. Dabei ist Dreistigkeit häufig ein Mittel zum Ziel. Hierzu ein paar Beispiele: Die LKW werden häufig vor dem Ziel regelrecht abgefangen. In Arbeitskleidung der Kundenfirma gekleidete Männer erklären dem Fahrer, dass die Lieferadresse sich geändert hat und die Ware an einer anderen Stelle entladen werden soll. Ein mit gefälschten Papieren ausgestatteter LKW soll die Ware übernehmen. Das ist für Berufskraftfahrer sehr verlockend, da er damit Lieferzeit spart. Wenn dann noch eine große Zahl freundlicher Helfer beim Umladen hilft, dann ist die Versuchung besonders groß.

Hollywoodreife Stunts, bei denen während voller Fahrt ein LKW bestiegen und ausgeräumt wird, sind auch keine Seltenheit mehr. Oft lauern jedoch die Diebe auch an neuralgischen Punkten wie Baustellen, bei denen die Transporter häufig langsam fahren oder stehen bleiben müssen. Das faktische Entwenden von Ware geschieht jedoch immer noch meistens Nachts auf den LKW-Parkplätzen. Die Ware wird gestohlen, während der Fahrer schläft. Häufig wird er aber dazu noch zusätzlich durch Gas betäubt – ohne Rücksicht auf seine Gesundheit.

Der Großteil des Diebstahls von Waren per LKW findet jedoch schon lange vorher statt. Kriminelle Unternehmen bewerben sich mit besonders günstigen Frachtraten auf die Vergabe von Aufträgen – und verschwinden mit der Ware auf Nimmerwiedersehen.

Reputation ist keine Garantie

Auch wenn Bewertungssysteme auf den Frachtbörsen die vertrauenswürdigen Unternehmen identifizieren helfen sollen – eine Garantie gibt die Reputation jedoch nicht. Mittlerweile geht die organisierte Kriminalität sogar dazu über, ganze Speditionsunternehmen aufzukaufen und mit Hilfe ihres erarbeiteten guten Rufs auf Raubzug zu gehen. Im Visier sind hier Firmen, die kurz vor der Insolvenz stehen. Dies ist im margenschwachen Logistik-Geschäft leider keine Seltenheit, so dass hier die Auswahl an potentiellen Übernahmekandidaten recht hoch ist.

Folgen für den Spediteur

Solange eine Transportversicherung besteht, solange werden die Assekuranzen auch für die Schäden aufkommen. Jedoch haben sie durchaus das Recht, einen Vertrag zu kündigen. Eine Transportversicherung ist für eine Spedition überlebenswichtig. Wenn diese aufgrund verdächtig hoher Diebstahlfälle gekündigt wird, kann der Spediteur eigentlich sofort sein Unternehmen schließen. Im Vorfeld wird eine Versicherung jedoch versuchen, auf den Unternehmer einzuwirken. Investition in Sicherheitstechnik für LKW ist deshalb ein boomendes Geschäft, an das man nicht den Anschluss verpassen sollte. Wenn sich hier aber der Inhaber bereits quer stellt, ist die Kündigung meist nur eine Frage von wenigen Tagen. Die Investitionen in die Transportsicherheit sind jedoch nicht nur zum Schutz der Fahrzeuge und der Ladung eine sinnvolle Maßnahme. Auch der eigene Mitarbeiter ist durchaus mit Leib und Leben von den kriminellen Diebesbanden bedroht. Das Einleiten von Betäubungsgas ist bei Weitem nur die leichteste Form der Körperverletzung, denen sich ein LKW-Fahrer ausgesetzt sieht. Die Hemmschwelle der Kriminellen ist bekanntlich sehr niedrig.

Nicht nur auf Elektronik verlassen

Die Sicherung von Waren auf dem Transportweg fußt auf drei Säulen:

  1. Anpassungen im Verhalten
  2. Mechanische Sicherungen (siehe dazu https://www.containerbasis.de/containerschloss/)
  3. Elektronische Sicherungen

Dies ist durchaus in genau dieser Reihenfolge zu sehen. Damit ein Container-Tracker per GPS genutzt werden kann, muss die Ware schon gestohlen sein. Prävention durch mechanische Blockaden und Risikovermeidung durch Unternehmen und Fahrer greift hier schon wesentlich früher und hilft, das Entstehen des Schadens zu vermeiden. Die Polizei und die Versicherungen geben hierzu eine ganze Reihe an Tipps und Ratschlägen, die sich jeder Fahrer und Spediteur genau studieren sollte.

Immer ein Auge auf die Entwicklung behalten

Dennoch sind gerade in der elektronischen Ladungssicherung enorme Entwicklungssprünge feststellbar. Das benannte GPS-Tracking ist nur ein Beispiel von vielen, mit denen LKW oder Container gesichert werden können. Diese Geräte gibt es bereits für Paletten, in denen sie unauffällig eingearbeitet werden. Auch billige aber wirksame Sender, die direkt in einer Ladung versteckt werden können, sind am Markt bereits verfügbar. Hier kann nur dazu aufgerufen werden, massiv in die Sicherheitstechnik zu investieren. Den besten Schutz gegen Diebstahl erhält die Branche, wenn die Kriminellen ganz einfach die Lust an diesem Geschäft verlieren.

 

Quelle:containerbasis.de

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