Ladungssicherung beim Getränketransport

Ladungssicherung beim Getränketransport
Foto Quelle:VLB in Berlin e.V.

Ziel jedes Transportvorgangs ist es, die geladenen Güter unbeschädigt und ohne Gefährdung von Menschen, Tieren und anderen Gegenständen zum Empfänger zu verbringen. Getränketransporte stellen hierbei besondere Anforderungen an die Ladungssicherung und den Fahrzeugaufbau. Diese Anforderungen werden in der VDI-Richtlinie 2700 „Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen und in dem 2009 erschienenen Blatt 12 „Ladungssicherung von Getränkeprodukten“ beschrieben. Zur Entwicklung dieser anerkennten Regeln der Technik für den Getränketransport wurden auch eine Vielzahl von fahrdynamischen Versuchen durchgeführt, um das Verhalten von Ladeeinheiten mit Getränke in Kästen oder Fässer besser beschreiben zu können. Besonderer Fokus bei diesen Versuchen wurde auf das Verhalten von Kastenstapeln und Fassgebinde gelegt. Bei den Fassgebinden wurde zusätzlich zwischen dem Volumen (50 l oder 30l) und dem Material (PU- ummantelte Kegs oder Edelstahl-Kegs) unterschieden. Einweggebinde waren von untergeordneter Bedeutung, da hier durch Stretchen oder Schrumpfen versucht wird, formstabile Ladeeinheiten zu produzieren. Diese Ladeneinheiten können dann als normales Stückgut transportiert werden und stellen keine Getränketransporte mit speziellen Anforderungen dar. Diese Formstabilität ist bei den Kastenstapeln und Fässern nicht gegeben, wenn nicht besondere Maßnahmen zur Bildung stabiler Ladeeinheiten ergriffen werden.

Eigenschaften von Kastenstapeln

Durch Versuche konnte festgestellt werden, dass auf einer Palette stehende Säulen aus Getränkekästen sehr stark kippgefährdet sind. Aufgrund der fehlenden Verbindung der Kastensäulen untereinander, stabilisieren sich diese nicht gegenseitig und die gesamte Palette verhält sich wie eine einzelne Säule aus Kisten. Die Umreifung der obersten Kastenlage hält lediglich die Kastenstapel zusammen, verbindet sie jedoch nicht untereinander und trägt daher nicht im notwendigen Maß zur Sicherung bei.

Eigenschaften von Fässern

Bei vielen Fässern besteht das Problem, dass sich diese nicht bündig bis an die Ränder der Palette stellen lassen und sich dadurch zwischen Paletten oder innerhalb einer Palette Lücken ergeben. Je mehr Paletten mit Fässern hintereinander stehen, umso größer addieren sich die Lücken und um entsprechend größere Strecken können sich die Fässer auf den Paletten verschieben. Die Lücken müssen deshalb aufgefüllt oder die Möglichkeit des Verschiebens auf andere Weise eingeschränkt werden, zum Beispiel durch Abschottung.

Eigenschaften von Leergut

Leergut wird häufig im Doppelstock ohne zweite Ladeebene (Zwischenboden) transportiert. Bei gleicher Masse wie bei einem Vollguttransport besitzt eine solche Leergutladung einen wesentlich höheren Schwerpunkt und damit eine noch größere Kippneigung. Für diese Transporte muss der Fahrzeugaufbau Stabilitätsanforderungen erfüllen, die höher sind, als diejenigen für einen Vollguttransport.

Um solche Ladeeinheiten bei formschlüssiger Ladung ohne weitere Sicherungsmittel transportieren zu können, muss der Aufbau folgende Aufbaufestigkeiten aufweisen.

Tabelle 2: Fahrzeugaufbaufestigkeiten für den Getränketransport

Stirnwand bzw. die in Fahrtrichtung vorne abschließende Laderaumbegrenzung 0,5 * P
Seitenwand bzw. die seitlich abschließende Laderaumbegrenzung 0,4 * P
Seitenwand bzw. die seitlich abschließende Laderaumbegrenzung bei übereinander gestapelten Paletten mit Leergut Kastenware 0,55 * P
Rückwand bzw. die in Fahrtrichtung hinten abschließende Laderaumbegrenzung 0,3 * P
P = Nutzlast des Aufbaus

 

 Abbildung 2 Fahrdynamischer Test

Abbildung 2 Fahrdynamischer Test

Die Kräfte zur Prüfung dieser Festigkeiten müssen durch fahrdynamische Versuche erzeugt werden, da durch Versuche nachgewiesen worden ist, dass der statische Drucktest für den seitlichen Aufbau nicht ausreichend ist.

Diese Versuche werden von Prüforganisationen wie DEKRA, TÜV, KÜS u.a. für ein Muster einer Fahrzeugbaureihe mit verschieden Ladegütern durchgeführt und mit einem Zertifikat bescheinigt. Bei Fahrzeugen zum Getränketransport sind folgende Ladegüter definiert.

Kastenware: in Säulen auf Paletten im Euromaß (0,8 x 1,2 m Grundfläche) gestapelte Mehrweg-Getränkekästen aus Kunststoff mit einer Höhe nach GS1 (ehm. CCG-Norm) von 1,6-1,95 m.

Fassware: Spundbehälter aus Stahl mit einem Volumen von 30 oder 50 l nach DIN 6647 ff. mit Außendurchmessern von 380 bis 408 mm; diese sind jeweils zu 6 Stk. auf einer Palette stehend angeordnet. 50 l Fässer werden zweifach und 30 l Fässer werden dreifach übereinander, jeweils mit Palette, zu einer Ladeeinheit gestapelt (Höhen von 1,40 – 1,7 m)

Leergut: Wie vorstehend, jedoch ohne Produkt (z.B. bei Kastenware leere Glasflaschen in Getränkekästen)

Sofern in den Zertifikaten das Ladegut nicht näher spezifiziert, sondern lediglich „Getränke“ aufgeführt ist, erstreckt es sich nur auf Kastenware. Dies ist bei den aktuell bestehenden Zertifikaten häufig der Fall. Auch wenn eine Spezifikation genannt ist, lautet diese in den allermeisten Fällen auf Kastenware. Zertifikate, die den uneingeschränkten Transport von Fässern ohne zusätzliche Sicherungsmaßnahmen erlauben, sind nur sehr selten anzutreffen.

Fin Datenbank

Da der Verlader genauso wie der Fahrzeugführer gesetzlich verpflichtet ist, auf die korrekte Beladung des Fahrzeuges zu achten, überprüft der Verlader u.a. an Hand der Papiere (Zertifikat, Zulassungsbescheinigung), ob die Ladung zusätzlich gesichert werden muss, wenn der Aufbau nicht die entsprechende Eignung besitzt und ob die Lasten für die zulässigen Nutz- und Achslasten eingehalten werden.

Diese Prüfung wird von den Verladern in unterschiedlicher Intensität und Aufwand durchgeführt. Zur Unterstützung haben sich einige Getränkehersteller und –Händler aktuell

Abbildung 3 FIN-Datenbank - Schnittstelle zwischen Verlader und Transportunternehmen
Abbildung 3 FIN-Datenbank – Schnittstelle zwischen Verlader und Transportunternehmen

Dokumentationssysteme angelegt, in denen die benötigten Informationen des Fahrzeugscheines, des Zertifikats, des Prüfbuches oder der jährlichen Prüfnachweise sowie Hinweise zu nötigen Ladungssicherungsmaßnahmen gespeichert werden. Die Identifikation des jeweiligen Fahrzeuges oder Fahrzeugkombination erfolgt i.d.R. durch das Kfz-Kennzeichen. Die Zuordnung der Ladungssicherungs-Zertifikate erfolgt über die Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) des Lkws und des Anhängers bzw. Aufliegers.

Die Erfassung und Pflege dieser Daten stellt für die Verlader einen enormen Aufwand dar. Auch für den Transportunternehmer ist es aufwendig, unzähligen Verladern die Daten ihrer Fahrzeuge bei der Beladung vorzulegen oder im Vorfeld zur Verfügung zu stellen.

Um diesen Aufwand für alle Beteiligten zu reduzieren, hat die VLB zusammen mit einigen Mitgliedsbetrieben aus der Getränkebranche die FIN-Datenbank entwickelt, die seit Januar 2013 von der VLB Berlin e.V. betrieben wird.

In dieser Datenbank werden die Stammdaten und Prüfungszertifikate von Fahrzeugen, Anhängern, Aufliegern mit ihren Aufbauten und Wechselbehältern, die zum Transport von Getränken eingesetzt werden, gespeichert und registrierten Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Anhand der hinterlegten Zertifikate (mit den Hinweisen für welche Ladegüter der Aufbau geeignet ist) können die Verlader die korrekte Beladung und Ladungssicherung effizient und zeitsparend prüfen und kontrollieren. Die eindeutige Identifizierung der Fahrzeuge, Anhänger und Auflieger erfolgt mit der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) in Verbindung mit dem Kfz-Kennzeichen.

Durch die Einrichtung der FIN-Datenbank soll für alle Beteiligten des Transportprozesses von Getränken eine zentrale Informations- und Kompetenzstelle geschaffen werden, die die aktuellen Informationen zur Überwachung und Einhaltung der rechtlichen Rahmenbestimmungen bei der Verladung bereitstellt. Entscheidender Vorteil für die Transportunternehmen ist, dass sie nicht mehr bei jedem Verlader ihre Fahrzeugdaten und Zertifikate vorzeigen müssen, sondern nur bei den Verladern, die die Informationen nicht über die FIN-Datenbank abrufen.

Die Nutzung der FIN-DB ist für die Verlader kostenpflichtig und für die Transportunternehmen kostenlos. Beide müssen sich aber an der FIN-DB anmelden, um das System nutzen zu können.

Weitere Informationen über die Besonderheiten beim Getränketransport gibt das kostenlose VLB-Handblatt „Ladungssicherung“ und der kostenpflichtige Leitfaden „Ladungssicherung von Getränketransporten“ der VLB und des deutschen Brauer-Bundes. Informationen zur FIN-DB finden sie im Netz unter www.fin-datenbank.de. Bei speziellen Fragen kann man sich auch direkt an das FIM der VLB Berlin e.V. wenden.

Quelle:: Alexander Scharlach, Norbert Heyer, Forschungsinstitut für Management und Getränkelogistik (FIM), VLB in Berlin e.V., Berlin

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