Streit um LKW-Kontrollen: Zu schnell, zu laut?

Streit um LKW-Kontrollen: Zu schnell, zu laut?
Foto Quelle:WDR

Darf es ein Tempo-Blitzgerät speziell für LKW auf der A1 bei Remscheid geben?

Das hätte die Stadt gern, denn sie glaubt, dass vor allem LKW, die schneller als die erlaubten 80 Kilometer pro Stunde fahren, für den Lärm auf dem Autobahn-Abschnitt verantwortlich sind. Die Düsseldorfer Bezirksregierung sagt dazu kategorisch: „Nein!“

Sieben Monate hat diese Antwort der Bezirksregierung auf sich warten lassen. Denn schon im vorigen Sommer hatte die Stadt die Blitzanlage für LKW beantragt. „Technisch wäre das überhaupt kein Problem“, sagt die Rechtsdezernentin der Stadt, Barbara Reul-Nocke. „Dafür gibt es Sensoren in der Fahrbahn, die genau unterscheiden zwischen PKW und LKW. Würden sich die Lastwagenfahrer an das Limit von Tempo 80 halten, dann würde sich der Lärm und drei Dezibel verringern, und das ist schon einiges, das würden die Leute dort schon merken.“ Ein generelles Tempolimit ist ausgeschlossen, seitdem die Autobahn dort auf sechs Spuren ausgebaut ist. Denn überall im Land gilt: „Kein Engpass oder Unfallschwerpunkt bedeutet freie Fahrt für alle.“

Der Lärm kam mit der Lärmschutzwand

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Klaus Elle und Dirk Reinholz leiden unter Lärm

Die Vorgeschichte ist kurios: Zugenommen hat der Ärger der Anwohner vor drei Jahren – ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als auf dem Abschnitt der A1 endlich eine Lärmschutzwand stand. Doch anstatt die Geräusche zu absorbieren, wirkt die Wand offenbar wie ein Reflektor und sendet die Schallwellen in die Richtung der Wohngebiete, die an die A1 bei Remscheid grenzen. Die beiden Nachbarn Klaus Elle und Dirk Reinholz wohnen im Tenter Weg in Remscheid, mit Blick auf die A1. „Es ist unerträglich laut, und wir haben ein Recht darauf, vor dem Lärm geschützt zu werden“, sagt Klaus Elle. „Die Pflicht dafür liegt beim Land.“ Und Dirk Reinholz ergänzt: „Das, was die Bezirksregierung jetzt der Stadt geantwortet hat, werden wir nicht akzeptieren!“

Streit um Tempo-Messungen

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Direkt an der Autobahn: Tenter Weg in Remscheid

Die Stadt war im Interesse der Anwohner schon im vergangenen Jahr tätig geworden. Ihre Mitarbeiter hatten mit Radargeräten das Tempo der LKW am „Remscheider Berg“ gemessen. „Ein Großteil war dabei schneller als die erlaubten 80“, sagt Jürgen Beckmann, Chef des Remscheider Ordnungsamts. Die Stadt betont, dass bei den Messungen alles in Ordnung war. Grundlage seien Vorgaben des TÜV Nord und des Bundes-Umweltamtes.

Behörde: „Blitzer für LKW wäre ein Verkehrsrisiko“

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Bezirksregierung: „Thema erledigt!“

Umso mehr musste ein Satz in der Antwort aus Düsseldorf die Remscheider ärgern: „Die von städtischer Seite ermittelten Geschwindigkeitsübertretungen der LKW sind zweifelhaft,“ ist da zu lesen. Und: „Bei erhöhten Geschwindigkeiten ist die Lärmpegel-Erhöhung bei LKW marginal und für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar.“ Außerdem wäre es ja viel zu gefährlich, wenn schnelle PKW-Fahrer plötzlich ein Blitzgerät sehen und deshalb, auch wenn sie „nicht gemeint sind“, eine Vollbremsung hinlegen. „Das wäre der Verkehrssicherheit nicht zuträglich, sagt die Sprecherin der Düsseldorfer Bezirksregierung, Stefanie Klockhaus. „Für uns ist das Thema erledigt.“

Streit vorerst ohne Ende – die Stadt macht weiter

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Barbara Reul-Nocke, Rechtsdezernentin Remscheid

„Das wollen wir natürlich so nicht stehen lassen“, sagt die Rechtsdezernentin. „Wir sammeln jetzt Munition und überlegen uns, wie wir weiter vorgehen.“ Eine Möglichkeit wäre zum Beispiel eine Klage vor dem Verwaltungsgericht. Problem: „Wir wissen noch nicht so genau, ob wir als Stadt da ein Klagerecht haben oder ob die Anwohner klagen müssen. Das prüfen wir derzeit. Oder wir messen erneut und legen der Bezirksregierung neue Daten vor.“ Und auch die Anwohner am Tenter Weg in Remscheid haben die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Dirk Reinholz: „Die sollten sich gefälligst nochmal an einen Tisch setzen und sich verständigen.“

Quelle:WDR

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