Wellness für LKW-Fahrer- Fit über die Autobahn

Der Job der LKW-Fahrer ist kein Zuckerschlecken. Das halbe Leben lang sind sie auf Autobahnen und Landstraßen unterwegs – die Fahrerkabine wird zum Arbeits- Wohn- und Schlafzimmer. Hier setzt ein neues Wellness- und Fitnessprogramm an: Sport, Düfte und Musik für Brummifahrer.

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Installierte Fitnessgeräte in der Fahrerkabine // Bild: Daimler AG

18.1.2015 // Er bezeichnet sich als Esoteriker, Wellnessmanager und schwäbischer Fitnesspapst. Siegfried Rothe, Projektleiter bei Daimler hat das Projekt „TopFit Truck“ ins Leben gerufen. Er weiß, mit welchen Problemen LKW-Fahrer im Job zu tun haben: zu wenige oder unsaubere Parkplätze, zu wenig Bewegung. „Ich habe mir dann die Aufgabe gestellt, die Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern“, sagt der Projektleiter. Dafür entwickelten Sportwissenschaftler, Psychologen, Mediziner und Daimler-Mitarbeiter verschiedene Konzepte und Methoden, um Fahrer fit und bei Laune zu halten.

Sport an Bord des LKWs

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Übungen in der Fahrerkabine // Bild: Daimler AG

Die durchschnittliche Fahrerkabine hat etwa acht Kubikmeter. In einem Raum, der so groß ist, wie ein Werkzeugschuppen, zu arbeiten, zu wohnen und zu schlafen, Tage, manchmal Wochen, rund um die Uhr, das bringt einen an die Grenzen. Laut Apotheken-Umschau belastet das stundenlange Sitzen und die mangelnde Bewegung den Rücken so sehr, dass viele LKW-Fahrer aufgrund von Bandscheibenvorfällen frühzeitig ihren Job aufgeben und in Rente gehen müssen. Ein Fitnesskonzept soll dem vorbeugen. Die Anschaffung von neuen LKW ist für Firmen sehr teuer. Deswegen lassen sie ihre Fahrzeuge meist bis zur Erschöpfung fahren, mehrere hunderttausende von Kilometer. Das führt dazu, dass die LKW veraltet und zum Teil nicht mehr auf dem neusten Stand sind.

Fitness nach Maß für Vielfahrer

In der Fahrerkabine des „TopFit Trucks“ sind Fitnessgeräte angebracht, womit jeder ganz einfach seine eigenen Fitnessübungen in der Fahrerkabine durchführen kann. Anhand von Animationsvideos, welche von Sportwissenschaftlern und Therapeuten ausgearbeitet wurden, werden spezielle Übungsprogramme in einfachen und kurzen Schritten erklärt. Zugbänder, die an verschiedenen Befestigungspunkten der Kabine eingehängt sind, werden für die Stärkung der Rückenmuskulatur verwendet.

Es gibt selbstverständlich auch genug Übungen, die man außerhalb der Fahrerkabine durchführen kann. Die klassische Kniebeuge oder den schnellen Gang um das Fahrzeug herum. Kleine mobile Fitnessgeräte können dafür auch außerhalb genutzt werden. Der langjährige LKW-Fahrer, Hani Hamdouch sagt dazu: „Ich mache bei meinen Pausen meine eigenen Fitnessübungen. Aber Fitnessgeräte in der Fahrerkabine hätte ich auch schon gerne. Ich würde diese oft nutzen, da mein Rücken nicht mehr lange mitmacht“. Er arbeitet seit rund sieben Jahren bei einer Speditionsfirma, nahe Koblenz. Dabei fährt er längere Strecken quer durch Deutschland.

Orangenduft und Musik zum Aufwachen

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Rückenübung in der Fahrerkabine // Bild: Daimler AG

Doch nicht nur die Fitness spielt eine Rolle bei den Arbeitsbedingungen. Viele Speditionsfirmen zum Beispiel lassen ihre Fahrer mehrere Stunden unter Zeitdruck arbeiten. Müdigkeit und fehlende Konzentration sind dabei die Hauptursache von Verkehrsunfällen mit LKW-Beteiligung. Auch darüber hat sich das Expertenteam Gedanken gemacht. Für einen angenehmen nächtlichen Schlaf sorgen intelligent beheizbare Matratzen und lärmisolierende Wände. Für ein kurzes Nickerchen, den sogenannten Power Nap, hat man speziell geformte Polster für die Beine entworfen. Orangen- oder Mentholdüfte und sanfte Töne aus der Audioanlage sollen für das perfekte und entspannte Einschlafen in der Pause sorgen. Wenige Minuten später wird man von frischen Düften und lebhafter Musik wieder aus dem Schlaf geholt.

Ein weiteres Feature ist die Lichtdusche. Im Dachhimmel installierte Lichtmodule machen auf Wunsch munter oder beruhigen nach langer Fahrt. Außerdem können die Lichtmodule ein künstliches Tageslicht in der Fahrerkabine erzeugen, welche den Fahrer zusätzlich bei Laune halten soll.

Lenk- und Ruhezeiten müssen eingehalten werden

„Solche Verfahren dürfen natürlich nicht dazu führen, dass die geltenden Sozialvorschriften für Lenk- und Ruhezeiten missachtet werden“, sagt Roman Suthold, Leiter für Verkehr und Umwelt vom ADAC Nordrhein e.V. zu den Installationen und Einstellungen in der Fahrerkabine.

Outdoor Fitnessübung // Bild: Daimler AG

LKW- und Bus-Fahrlehrerin Menesk Cakir aus Stuttgart findet einen Teil dieser Optionen allerdings sehr sinnvoll. „Das mobile Fitnessstudio sollte bei jedem neuen LKW zur Standardausstattung gehören. Die speziellen Düfte und die Musik sind meiner Meinung nach nicht zwingend notwendig, aber auch eine tolle zusätzliche Option, die man ergänzen kann“. Cakir schult Bus- und LKW-Fahrer bereits seit vier Jahren und hat dabei schon mindestens 700 Fahrerinnen und Fahrer zum Führerschein verholfen.

Solche Fitnessgeräte lassen sich auch nachträglich in den Fahrerkabinen von LKW installieren. Aber auch auf einigen Raststätten stehen Fitnessgeräte zur Verfügung, mit denen sich Auto- und LKW-Fahrer für ihre Weiterfahrt fit halten können.

 

Quelle:Technikjournal

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