Zukunft des Lkw Assistenzsysteme steuern und unterstützen den Fahrer

Zukunft des Lkw Assistenzsysteme steuern und unterstützen den Fahrer

Kein anderes Thema bewegt derzeit die Automobilindustrie wie das (teil-)autonome Fahren. Die Kombination und Weiterentwicklung unterschiedlicher Assistenzsysteme stärkt den Trend zum selbstfahrenden Lkw, der die Verkehrsregeln genauso kennt wie den Straßenverlauf und die Topographie. Der Daimler-Konzern hat vor einiger Zeit mit dem „Highway Pilot“ eines seiner neuesten Assistenzsysteme für Lkw vorgestellt. Es erlaubt teilautomatisiertes Fahren dank Radarsystemen, Sensoren und Kameras. Diese erkennen die Umgebung, Fahrspuren, Verkehrsschilder und andere Verkehrsteilnehmer in unmittelbarer Nähe. Allerdings muss der Berufskraftfahrer ständig den Verkehr beobachten und trotz Assistenzsystemen jederzeit in der Lage sein, das Lenkrad wieder zu übernehmen.

Assistenzsysteme für ökologisches Fahren

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Ein plötzlich ausscherendes Fahrzeug ist eine große Gefahrenquelle: Notbremssysteme unterstützen den Fahrer für eine rasche Reaktion

Über Assistenzsysteme wie den „Autobahnpilot Connect“ von Daimler können sich mehrere Lkw – auch anderer Hersteller – per WLAN miteinander vernetzen und so einen teilautonom fahrenden Konvoi bilden. Der Abstand verringert sich zum vorausfahrenden Fahrzeug auf gerade mal 15 Meter. Die Vorteile: Die Fahrer werden entlastet und das Verbundfahren spart Kraftstoff. Nicht zuletzt kann dadurch auch Platz auf der Straße und im dichten Verkehr gespart werden. Für das sogenannte „Platooning“ ist ein Abschnitt der Autobahn A 81 zwischen Würzburg und Singen zum Testen freigegeben.

Lkw können aber auch allein mit entsprechender Technik umweltschonender und effizienter fahren: Der Tempomat „Efficient Cruise“ von MAN weiß dank GPS, wie die Straße verläuft. Das System kennt den Topografieverlauf der Strecke und reguliert danach die Geschwindigkeit. Das hilft beim Einhalten der vorgeschriebenen Geschwindigkeit und vor allem beim Spritsparen. Dabei wählt das System beispielsweise vor Steigungen den passenden Gang und lässt den Wagen im Gefälle rollen.

Auffahrunfälle mit dem Lkw vermeiden

Die enorme Fahrzeugmasse von Lkw macht es für die Hersteller erforderlich, die Priorität bei ihren Assistenzsystemen besonders auf die Vermeidung von Unfällen zu legen.

Emergency Brake Assist heißt das Notbremssystem bei MAN. Es kombiniert Informationen aus Radarsensor in der Fahrzeugfront und Kamera in der Frontscheibe

Sehr häufig sind Trucks nämlich in Auffahrunfälle auf der Autobahn verwickelt. Das plötzlich auftretende Stauende kann für den Fahrer äußerst brenzlig werden – ein Fall für den „Active Brake Assist“ der dritten Generation von Mercedes-Benz. Dabei

registriert die Bordelektronik automatisch ein stehendes oder ein zu langsam fahrendes Objekt. Ein Radarsensor tastet dazu fortlaufend die Fahrbahn vor dem Lkw ab. Die Geschwindigkeit vorausfahrender Fahrzeuge und Abstände werden errechnet. Antizipiert das System eine Gefahr, so warnt es den Fahrer. Reagiert dieser darauf nicht, leitet der Lkw eigenständig eine vollständige Bremsung bis zum Stillstand ein. Seit November 2015 müssen alle neuen Lkw, die vom Band kommen, per Gesetz mit solch einem Notbremsassistenten ausgestattet sein.

In der Spur bleiben

Nach Untersuchungen der Bundesanstalt für Straßenwesen sind rund 40 Prozent aller schweren Unfälle mit Lkw außerdem auf Müdigkeit am Steuer P_MAN_Safety_Lane_Guard_System_2015zurückzuführen. Meist kommen die Lkw dadurch von der Fahrbahn ab. Zur erweiterten Serienausstattung bei MAN gehört daher der Fahrbahnassistent „Lane Guard System“. Das System erfasst ab einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern die Fahrbahnmarkierungen per Kamera. Überfährt der Fahrer diese ohne zu blinken, ertönt der Assistent. Das System erkennt zudem selbständig, wenn sich die Fahrbahnmarkierungen ändern. Der Daimler-Konzern kombiniert seine identischen Lkw-Assistenzsysteme bei Bedarf noch zusätzlich mit einem „Aufmerksamkeitsassistenten“. Anhand von bestimmten Parametern wie etwa dem Lenkverhalten kann das Systems zunehmende Unaufmerksamkeit bzw. Übermüdung des Fahrers erkennen, ihn dann akustisch und optisch per Signal warnen und eine Pause empfehlen.

Abhilfe für den toten Winkel

Jeder Berufskraftfahrer fürchtet den toten Winkel beim Rechtsabbiegen. Zwar unterstützt ein ganzes Spiegelsystem den Fahrer auf der Beifahrerseite bestehend aus Haupt-, Weitwinkel- und Rampenspiegel, doch ein Restrisiko bleibt. Künftig sollen Abbiege-Assistenzsysteme Fußgänger und Fahrradfahrer erkennen. Der Daimler-Konzern arbeitet derzeit mit Hochdruck an der Serienreife des „Blind Spot Assist“. Das System überwacht auf der Beifahrerseite die gesamte Länge des Lkw mit Radarsensorik. Wenn sich eine Person im toten Winkel befindet, wird der Trucker darüber zuerst über ein optisches Signal, dann akustisch gewarnt, sofern er nicht darauf reagiert und eine Kollision droht. Dabei erkennt das System automatisch über Lenkbewegungen oder den Blinker sowie Informationen aus der Spurkamera, wenn der Fahrer tatsächlich abbiegen will.

Die Unfallforschung der Versicherer (UDV) geht davon aus, dass der Abbiegeassistent für den Lkw über 40 Prozent aller Unfälle mit Fußgängern und Radfahrern vermeiden kann. Eine weitere technische Finesse des Systems ist zudem die automatische Berechnung der Schleppkurve eines Sattelaufliegers. Dadurch informiert das System über mögliche Hindernisse an Straßen und Kreuzungen beim Rechtsabbiegen. So können mögliche Sachschäden an Ampeln oder Verkehrsschildern vermieden werden.

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